Alternativen zu Google

Ich nutze seit längerem verschiedene Google Dienste, vor allem Google Mail, Calendar & Reader. Und obwohl vermutlich ungefähr genau so lange ein sehr ungutes Gefühl mit der Menge an persönlichen Informationen über mich habe, auf die Google damit problemlos zugreifen kann, konnte ich mich nie richtig dazu durchringen, auf Alternativen dazu umzusteigen. Dies hat vor allem die Gründe, das

  1. grade die 3 genannten Dienste hervorrandend funktionieren (grade Gmail ist selbst den meisten Desktop-Mailprogrammen überlegen), einfach zu bedienen, kostenlos und überall verfügbar sind
  2. ich Google immer soweit vertraut habe, als dass sie sorgsam mit meinen Daten umgehen, weil sie sich (auch wegen der anhaltenden Kritik) definitiv keinen Datenskandal leisten können.
  3. ich Google auch immer für sehr “fähig” hielt (im Gegensatz zu z.B. Studivz…), so dass es mir recht sicher erschien ihre Dienste zu verwenden.

Nun habe ich mich aber entschieden, mich mittelfristig von den genannten Diensten loszusagen. Der Auslöser hierfür war schlussendlich, dass sich Google kürzlich, von chinesischen Hackern hat hacken lassen, wohl über eine Sicherheitslücke im Internetexplorer. Auch wenn hier die offene Informationspolitik des Unternehmens zu loben ist, steht die Verwendung des Internet Explorers (unbestätigten Gerüchten zufolge auch noch in der uralt Version 6) doch im Gegensatz zu Punkt 3 der Gründe für Google, was Punkt 2 mit umreist…

Also habe ich begonnen, mich nach vernünftigen Alternativen umzuschauen. Aus Datenschutzsicht wäre es sinnvoll, die Daten über verschiedene Anbieter zu streuen. Alternativ (und derzeit von mir favorisiert) könnte ich mir die Arbeit machen, die entsprechenden Dienste auf einem eigenen Server zu hosten (ich möchte die Daten als Webseite zur Verfügung haben). Dies würde gut mit meinen Plan zusammenpassen, mir ein NAS zu bauen. Auf diesem könnte dann auch eine der freien Groupwarelösungen laufen, was Google Mail und Calendar ersetzen würde.

Schwieriger wird das allerdings bei Google Reader. Zwar gibt es einige Open Source Web-Newsreader, die man auf einem eigenen Server hosten kann, allerdings fehlt diesen die Möglichkeit, Artikel an Freunde zu empfehlen bzw von diesen empfohlen zu bekommen. Schön wäre hier entweder eine dezentrale Software, die über ein entsprechendes Interface Empfehlungen an andere Instanzen ihrer selbst auf anderen Server weitergeben kann. Dann müsste ich nur noch meine Freunde überreden, auch auf Google Reader zu verzichten…

One thought on “Alternativen zu Google

  1. Der Wechsel von Google weg ist ein attraktiver Gedanke.

    Leider kann ich mich momentan mit den beiden Alternativen auch nicht so recht anfreunden:
    * Selbst hosten: Das ist nur dann sicherer, wenn man entsprechend viel Zeit&Geld investiert, das System sicher zu halten. Bei meinem Kenntnisstand wäre allein schon der (gefühlte) Sicherheitsstand, denn ich bei Google habe, in der Selbst-hosting-Lösung deutlich teurer/zeitintensiver.
    * Andere Anbieter (gestreut): Wo sind diese anderen Anbieter, die wenigstens ähnlich angenehm zu bedienen sind wie Google und nicht mit Vendor-lock-in nerven? Den einzigen Fall, wo ich mir relativ sicher bin, dass ich mit der nicht-Google-Lösung zufrieden(er) wäre, ist Picasa/Flickr, da hat glaube ich Picasa mit seinem Face-Tagging und den Metadaten ein Vendor-lock-in-Problem – welches dann auch dafür sorgt, dass ich momentan keine Lust habe, umzusteigen.

    An sich sollte der Umstieg von einem Google-Produkt auf ein anderes gerade heutzutage leicht fallen:
    * Google sorgt bei den meisten Services darauf, dass es einen Datenexport gibt. Kleinere Anbieter wissen dass und sind entweder in der Lage diese Datenformate zu lesen oder greifen direkt auf Googles APIs zu.
    * Mit OpenID hat man den Vorteil eines Single-point-of-failure ääh -login auch ohne Google
    * Interoperabilität ist teilweise standardisiert und ansonsten wenigstens offen und ein bisschen dokumentiert. Theoretisch liesse sich die Kernfunktionalität jeder einzelnen Google-App abseits von Google neu implementieren und hosten, derart dass diese neue App mit der kopierten zusammen arbeitet. Man müsste also “in der Theorie” auf kein geliebtes kollaboratives Feature verzichten.

    Ein gutes Beispiel für einen einfachen “Umzug” liefert Twitter:
    * seit einiger Zeit gibt es Laconi.ca bzw. haben die sich umbenannt in StatusNet, das ist eine offene Implementierung von Twitters Kernfunktionalität. Jeder kann diese Software bei sich hosten und dann loszwitschern, oder aber beim zentralen http://www.identi.ca registrieren. Der Feed lässt sich direkt mit einem Twitter-Konto verknüpfen, sodass man nach außen hin immer noch Twitter-Nutzer ist, in Wirklichkeit jedoch eine freie Implementierung nutzt – mit allen Vorteilen, wie z.B. dem direkten Zugriff auf die Daten in der Selbst-Hosting-Lösung, etc.

    Schlussfolgerung:
    * Im Moment schadet es nicht so arg, bei Google zu bleiben – man wird in Zukunft wahrscheinlich um so problemloser wechseln können. Google sollte auch kein großes Interesse daran haben, Kunden zu behalten – so lange sie immer noch die Suche und die Werbeprogramme nutzen.

    Nochmal konkret zum Google Reader:
    * Der Artikel-empfehlen-Feed ist ein Feed wie jeder andere, also sollte es an sich kein Problem sein, dieses Feature 1:1 in andere Web-Feedreader hineinzukopieren. Ich stelle mir die Zukunft auch eher so vor, dass man diese Art von Feeds selbst hostet. Hast Du da vielleicht schonmal verschiedene Software evaluiert, Paul? Der Google Reader hat immerhin auch diverse Nachteile (ich würde so gerne das ein oder andere anpassen, aber via Userscripts ist mir das zu nervig).

    Und nochmal konkret zum NAS:
    * einen geräuschlosen Serverwürfel in der Wohnung herumstehen zu haben, ist eine attraktive Idee. Andererseits ist dann bei einem Wohnungsbrand/Wasserschaden/Diebstahl auch das NAS auf und davon. Ich finde “in der Cloud” darum eine durchaus attraktive Idee. Man muss eben noch deutlich mehr auf Verschlüsselung setzen, aber das kommt mit der Zeit, denke ich. In “Ubuntu One” kann man jetzt schon (umsonst) eine 2GB-Datei hochladen, in der dann in Wirklichkeit eine Truecrypt-Partition steckt (dessen Keyfile z.B. nur auf einem USB-Stick ist). So ähnlich stelle ich mir das vor.

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